Wie du bleibst noch ein Jahr zu Hause?

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Ihr glaubt gar nicht, wie sehr mich diese Frage nervt.

Ja, ich bleibe länger als 1 Jahr zu Hause. Nein, er geht noch nicht in die Kita. Nein, ich vermisse meinen Job nicht. Manchmal fühle ich mich wie in einem Verhör… als hätte ich etwas strafbares verbrochen.

Als Mutter muss man sich ja meist die Ohren zuhalten bei all den Fragen, (lieb gemeinten) Ratschlägen und blöden Kommentaren („Du stillst noch/nicht/nicht mehr?“, „Keine Mütze?“, „Du trägst?“, „Kinderwagen?“, „Schläft schon/nicht/noch nicht durch?…). Der Kampf der Müttermafia ist allseits bekannt. Neid, Missgunst, Schlafmangel, Stress… traurig, aber wahr.

So etwas hat mich zum Glück stets kalt gelassen. Bereits beim ersten Kind habe ich meinen Weg eingeschlagen: In der Frühschwangerschaft war ich in einem Entwicklungsland unterwegs, unsere Tochter hat mit nicht einmal 4 Monaten ihren ersten Langstreckenflug hinter sich gebracht und ich habe zeitig abgestillt, wenig im Tragetuch getragen, weil wir beide uns nicht damit anfreunden konnten, und zum ersten Geburtstag gab es Torte mit viel Sahne und Zucker 😉

Und das wichtigste: Ich steh dazu! Und noch wichtiger: Ich würde alles wieder so machen. Ne quatsch, ich hab fast alles wieder genauso gemacht 😉

Beim zweiten Kind bin ich nämlich noch gelassener.

Das einzige, was ich dieses Mal bewusst anders geplant habe: ich habe die Elternzeit verlängert. Erst einmal auf 2 Jahre, vielleicht aber auch noch länger 😉

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Zeitquantität = Mutterqualität

Diese Formel geht nicht auf, das ist jedem klar. Ich kenne tolle liebevolle Mütter, die Vollzeit arbeiten und jede gemeinsame Zeit genießen genauso wie ich Mütter kennenlernen musste, die alle Zeit der Welt hatten sich um ihr Kind zu kümmern, aber keinerlei Interesse hatten… Genauso kenne ich Mamas, die so gerne in ihren Beruf zurück möchten, aber aufgrund mangelnder Kitaplätze keine Chance haben und „gezwungenermaßen“ zu Hause bleiben oder bewusst einen neuen Berufsweg einschlagen, weil sie tagsüber die Betreuung übernehmen möchten… oder gerne noch länger zu Hause bleiben möchten, es sich aber finanziell nicht erlauben können…

Ihr seht schon, es gibt in diesem Fall kein schwarz-weiß. Fast jede Kombination ist denkbar und gegenwärtig.

Mit dem Mamasein ändert sich die Welt von heute auf morgen. Der Alltag muss neu strukturiert werden, denn in den meisten Fällen kehrt man der Arbeitswelt für einige Zeit den Rücken zu. Man konzentriert sich voll und ganz auf das kleine Geschöpft, was die eigene Welt auf den Kopf stellt und gleichzeitig mit Liebe erfüllt und perfekt macht. Und diese Zeit muss voll und ganz genossen werden!

Ich habe mich bewusst fürs Genießen entschieden. Und ich bereue es nicht. Ich bin gerne zu Hause und mir fällt definitiv nicht die Decke auf den Kopf 😉

Ja, ich habe Glück mit meinem Job. Ich muss nicht um meine Stelle bangen, weil sie mir bis zur Pension gesichert ist. Ich habe ebenfalls Glück, weil mein Berufsfeld zwar stets im Wandel ist, aber die Anpassung nicht allzu schwierig und ich nicht zu schnell „raus“ aus dem Job bin. Aber: das war auch so geplant 😉 Der Kinderwunsch war da. Bereits im Studium, im Referendariat… aber bewusst habe ich ihn zurückgestellt und auf den passenden Moment (und Mann ;-)) gewartet.

Genauso haben wir den finanziellen Aspekt „geplant“, uns Reserven angespart und diese Phase bewusst genutzt zum Reisen und längere (berufliche) Auslandsaufenthalte meines Mannes (bzw. nutzen sie noch).

Dies soll im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass es der richtige Weg ist und Mamawerden vor/in der Ausbildung somit falsch. So ein Quatsch. Jeder entscheidet für seinen Lebensweg. Ein richtig und falsch gibt es objektiv betrachtet nicht. Jeder kann nur für sich selber entscheiden, ob es richtig war… oder sich in die positive Richtung geändert hat.

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Eine Teilzeitbeschäftigung als Lehrerin ist möglich. Ich hatte es versucht, aber bin an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Ich hatte wortwörtlich das Gefühl nur „halbe Sachen“ zu machen, wurde den Kids in der Schule nicht gerecht, meiner Tochter und mir selber nicht gerecht (alles natürlich subjektiv an meinen Idealen betrachtet). In der Schule musste ich Sachen auch mal liegen lassen, da ich stets zeitlich unter Druck war meine Tochter abzuholen. Abends bei längerer Einschlafhilfe war ich unter Druck, weil ich noch einmal zum Schreibtisch musste Unterricht vorbereiten… und wenigstens ein paar Stunden Schlaf wünschte ich mir. Zu dem Zeitpunkt schlief noch dazu meine Tochter sehr schlecht nachts. Insgesamt war ich mit der Situation einfach nicht glücklich. Ein Grund es dieses Mal anders zu machen. Für mich – für uns – genau richtig!

Daher nervt mich diese Fragerei noch viel mehr. Bitte lasst Mütter ihren Job machen! Wie immer dieser „Job“ auch aussieht – das entscheiden sie ganz alleine!

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1 KOMMENTAR

  1. Sehr schöner Artikel!
    Mir gingen die Fragestunde von Menschen, die meine Entscheidungen gar nichts angehen, auch immer sehr auf die Nerven. Natürlich hab ich versucht höflich zu bleiben – aber auch bestimmt. Denn wie du auch schreibst: jede Mama und jede Familie hat andere Wünsche und andere Voraussetzungen.
    Liebe Grüße, Natalie

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